Merkblätter zur Restaurierung der überschweren Kräder BMW R75 und Zündapp KS 750.

 

Herausgeber:  ERSATZTEIL- DIENST   Hans-Peter HOMMES       D-41748   VIERSEN   Tiefenstraße 10       Tel. 02162 - 8100933

Monatlich über unsere Webseite erhältlich.            www.wehrmachtsgespann.de
 

  Nr. 76

 

Thema
 Vorbereitungen für eine Winterfahrt

 

Verfasser

H - P Hommes

Datum

© 2010 h-p hommes

 

Die erste Winterausfahrt mit der Zündapp KS 750

Bevor wir unsere erste Winterfahrt nach Norwegen unternahmen, haben wir uns natürlich erst einmal schlau gemacht, was denn so an guter Ausrüstung notwendig wäre. Unsere Reise sollte in Kiel beginnen mit der recht komfortablen Fährfahrt nach Oslo. Von dort ging es dann über die E16 nach Beitostølen, einem Winter­sportort im Gebirge. Dort sind noch nicht viele Wintersportler unterwegs, wenn die Kristall Rally stattfindet, denn dann ist es dort noch mit bis zu minus 25°C zu kalt zum Skilaufen. Die Kristall Rally gilt als ein Muss für die richtig harten Hunde unter den Motor­radfahrern Europas. Wir wollten dazugehören und planten deshalb eine Reise dorthin mit drei Zündapp KS 750. Aber Motorrad fahren bei minus 25°C bedarf einer gewissenhaften Vorbereitung in Bezug auf Kleidung und Herrichten des Gespanns.

Als Motorradanzug wählten wir einen zweiteiligen Thermoboy, bestehend aus Latzhose und Jacke, und darunter die gute Angora-Unterwäsche. Den Thermo­boy tragen in Norwegen fast alle, die auf Schiffen oder draußen arbeiten. Der ist wirklich Spitze. Bei über 0°C kann man sich in ihm nicht bewegen, ohne direkt ins Schwitzen zu geraten. Bei den Stiefeln entschied ich mich für ein paar Moonboots. Die sind zwar klobig wie Elbkähne, aber dafür total leicht und warm ohne Ende. Auch das Schalten ist damit kein Problem.

Für die Hände gab es ein paar amerikanische Fausthandschuhe mit langen Stulpen und Fell­be­satz oben drauf. Dorthinein mit ein paar normalen Fingerhand­schuhen und es gab keine kalten Hände mehr. Dann kam das Schwierigste.

Der Helm. Ich wählte als Brillenträger einen Integralhelm ohne Visier.

 Eine Kühlhaus­kopfhaube mit auswechselbarem Mundschutz, der mit ein paar selbst angenähten Druckknöpfen befestigt wurde, war das Unterzeug im Helm.

Ich hatte mir als Brillenträger eine doppelverglaste Skibrille besorgt, diese auseinander gepult und dann mit Silikon zwei alte Brillengläser eingeklebt, denn das Beschlagen der Brille kann einen bei einer Fahrt im Winter ganz schön verunsichern. Vergesst alle Beschlagfreien Tücher und Mittelchen. Wir hatten so um die zehn verschiedene mitgenommen, um diese zu probieren. Hätten besser eine Flasche Rum mehr mitnehmen sollen. Einen guter Schal stellte dann noch die Verbindung zwischen Helm und Anzug her.

Jetzt warteten wir nur noch auf den Wintereinbruch in Deutschland mit einem schönen kalten Tag, um eine erste Probefahrt mit unserem Bekleidungsset zu unternehmen. Aus Norwegen hatten wir einen Schlafsack der Marke Ajungilak (das heißt “Schlaf gut“) bezogen. Der Hersteller versprach Wohlbefinden auch noch bei einer Temperatur von minus 25°C bei Windstille. Der Schlafsack hielt, was sein Hersteller versprach.

Wenn schon eine Extremfahrt in Eis und Schnee, dann aber richtig. Also wurden noch ein gutes Igluzelt von Hellsport und eine selbst aufblasende Isomatte gekauft. Anfang Dezember gab es bei uns im Rheinland einen mächtigen Temperatursturz und kräftiges Schneetreiben setzte ein. Darauf hatten wir gewartet. Wir trafen uns am späten Nachmittag. Georg, Guido und ich starteten von Viersen aus über die verschneite Bundesstraße in Richtung Aachen, was so rund 70 km sind. Es schneite kräftig weiter, weshalb auch nur wenig Verkehr unterwegs war.

 

Die wenigen Fahrzeuge, die an uns vorbeischlitterten, schauten etwas irritiert auf die drei Gespanne mit den dickvermummten Fahrern. In Aachen, wo wir relativ schnell ankamen, kannten wir ein prima Steakhaus, wo wir uns erst einmal aufwärmten und uns ein Abendessen gönnten. Draußen schneite es nur noch leicht, doch die Temperatur lag mittlerweile um die minus 10°C, als wir über die Himmelsleiter in Richtung Schneeeifel fuhren. Nach zwei Stunden aufregender nächtlicher Schneefahrt sind wir dann bei einem kleinen Dorf auf einen Waldparkplatz eingebogen.

 

Es hatte aufgehört zu schneien und wir hatten eine mondklare, klirrend kalte Nacht vor uns. Guido kramte ein paar Dosen Bier aus seinem Seitenwagen. Die Dosen machten aber bereits dicke Backen und den Inhalt hätten wir nur noch als Bier-Eis lutschen können. Ich hatte in weiser Voraussicht eine kleine Flasche Wodka mitgenommen. Unsere Kräder stellten wir so zusammen, dass nur eine Seite unseres Lagerplatzes offen blieb. Dann legten wir unsere Thermomatten aus. Es war nur so um die minus 15°C und wir hatten wegen des „warmen Wetters“ das Zelt erst gar nicht mitgenommen.

Noch ohne Erfahrung mit meinem neuen Schlafsack, hatte ich meinen Thermoboy angelassen. Aber nach nur einigen Minuten merkte ich, dass das viel zu warm wurde. Also wieder raus und Jacke und Hose aus. Das Kopfteil des Schlafsacks hat eine wunderbare Kapuze mit Kragen. Beide kann man von innen mit jeweils einer eigenen Kordel dichtziehen, sodass nur noch Mund oder Nase frei bleiben. Ich hab dann echt gut in meinem Ajungilak geschlafen.

 

Am nächsten Morgen war es zwar kalt, aber die Sonne war bereits über den Berg gekrabbelt und alles sah recht hübsch aus. So richtig Lust hatte keiner von uns, aus dem warmen Schlafsack zu kriechen, als ein schwerer Geländewagen auf unseren Übernachtungsplatz einbog und ein Stück vor uns parkte. Ein Ehepaar stieg aus. Da unsere Motorräder und Schlafsäcke leicht mit Schnee verweht waren, hatten sie uns nicht wahrgenommen. In dem Moment, als sie die Heckklappe ihres Autos öffneten, erblickten sie die Motorräder und die davor liegenden schneebedeckten Gestalten. Sie stutzen und wussten nicht, wie sie sich verhalten sollten. Durch die nun geöffnete Heckklappe sprang ein riesiger Bernhardiner heraus, lief direkt zu uns und beschnupperte Guidos Schlafsack. Guido richtete sich auf, Hund und Guido sahen sich interessiert an. Aber dann meinte Guido nur trocken: “Der Bernhardiner hat ja gar kein Fass um den Hals, von dem lass ich mich nicht retten.“ Der Hund machte kehrt und lief zu seinem Herrchen zurück. Jetzt wurde es Zeit für uns aufzustehen. Den ersehnten Kaffee konnten wir nicht kochen, da unser mitgenommener Gaskocher einfach nicht funktionieren wollte. Ihm war es zu kalt. Gas liebt es nicht zu kalt.

 

 

 

Unsere winterliche Probefahrt brachte folgende Erkenntnisse:

 

Der Gaskocher wurde von uns durch einen russischen Benzinkocher ersetzt. Dieser ist einfach und funktionsfähig bei jeder Temperatur. Nicht mal Brennstoff muss man für ihn mitnehmen, da er, wenn auch recht stark qualmend, auch mit normalem Benzin brennt.

 

Der Thermoboy spannte, wenn man auf dem Motorrad saß, stark an den Knien und die Kälte kroch von dort in den ganzen Körper. Wir nähten uns für jedes Bein ein Schafsfell mit außen wasser­ab­weisendem Stoff, welches wir mit Gummistraps anlegten, wenn es mehr als minus 15°C kalt war. Das Schafsfell war wie eine Heizung, es half phantastisch gegen die Kälte.

 

Spare nicht an wirklich guter Ausrüstung wie Schlafsack, Zelt und Bekleidung, wenn Du eine Winterfahrt unternimmst.

 

 

Unsere Erfahrung bei der Reise in Norwegen (bis zu minus 32° Grad)

 

Am Allerwertesten wurde mit der Zeit ebenfalls recht kalt auf der dünnen Satteldecke. Ein Stück Thermomatte wurde passend zugeschnitten und mit Stoff zum Aufspannen versehen – schon fror der Hintern auch nicht mehr ein.

 

Die Druckknöpfe, die dazu dienen, den Mundschutz an der Kopfhaube zu befestigen, verursachten mir zwei kleine Erfrierungen im Gesicht. Ich hatte von innen keinen Stoff über das blanke Metall geklebt. Dadurch lagen die Druckknöpfe auf der Haut an und hinterließen zwei Stellen, die bis heute sichtbar sind.

 

Schwitzen bei irgendwelchen Arbeiten, wie beim Starten oder Anschieben eines anderen Gespanns, sollte tunlichst vermieden werden. Es ist ratsam, alles so anzugehen, dass man erst gar nicht ins Schwitzen kommt.

 

Pausen bei der Fahrt sind besser draußen in der Kälte zu verbringen, als sich in einem überheizten Lokal der Gefahr auszusetzen, danach verschwitzt auf das Motorrad klettern zu müssen und sich eine gewaltige Verkühlung zu holen. Ich spreche aus Erfahrung. Drei Mitfahrer, die unsere Warnung in den eisigen Wind schlugen, lagen dann bei dem Treffen mit dicker Erkältung und viel Fieber im Bett.

  

Hütten, einfach, warm und sauber für die Übernachtung findet man in allen kleinen Orten, die einen Camping­platz haben.

 

Tunnel in Norwegen haben ihren eigenen Charakter. Besonders wenn sie sich von Meereshöhe im Berg hochschrauben wie ins Hardangavidda. Bei der Einfahrt hatten wir minus 15°C und die Temperatur stieg dann im Tunnel an bis auf einige Grad unter Null. Die Luftfeuchtigkeit nahm enorm zu, alles beschlug und wurde feucht. Bei der Ausfahrt kamen wir in die absolute Kälte mit minus 28-30°C und alles, was eben noch feuchtnass war, wurde zu Eis. Das Visier und die Brille vereisten auf einigen hundert Metern Fahrt noch im Tunnel und schränkten die Sicht sehr ein. Dann hinaus aus dem dunklen, warmen Tunnel in die Kälte mit dem strahlenden Weiß des Schnees, das einen total blendet. Die Kältedifferenzen und die Luftfeuchtigkeit sind das eine Problem im Tunnel.

Ein anderes ist das Sehen. Bei Schnee und Sonne muss man mit einer stark getönten Brille fahren. Fährt man in den Tunnel ein, sieht man zuerst überhaupt nichts und reißt die Brille hoch. Aber es wird ja wärmer, je weiter man in den Tunnel einfährt und die Augen gewöhnen sich mehr und mehr an die dürftige Tunnelbeleuchtung. Visier/Brille beschlagen im Tunnel, und auch im Gesicht merkt man die hohe Luftfeuchtigkeit des Tunnels. Mit Freude erkennt man nach einiger Zeit das Ende des Tunnels. Jetzt fängt es aber wieder an, richtig kalt zu werden. Kurz vor der Ausfahrt wird dann die Brille aufgesetzt, diese ist aber nun total voll Eis und man fährt wie im Blindflug. Tunnel können in Norwegen bis zu 10 km lang sein. Das Beste ist, nach dem Tunnel einen kurzen Halt einzulegen und die Kleidung wieder entsprechend zu ordnen, denn die nächsten 50 km können es über minus 30°C werden und da muss jedes Kleidungsstück sitzen. Jede kleine Fläche Haut, die nicht richtig abgedeckt ist, kann erfrieren und das ist nicht lustig, besonders da man es zu Anfang nicht merkt. 

 

 

Es ist ein Abenteuer, im Winter so eine Fahrt zu unternehmen.

 

Aber es ist ein kalkulierbares Abenteuer, wenn man sich entsprechend gut vorbereitet hat.

 

Mir hat es Spaß gemacht und insgesamt bin ich sechs mal dabei gewesen.

 Hans-Peter Hommes

 

 

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